Bright Eyes, Feist, The Faint live
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Open-Air-Gelände der Arena Wien
Die perfekte Antithese zum Donauinselfest: Am Vorabend des Massenspektakels boten Bright Eyes, Feist und The Faint in der Wiener Arena einen grandiosen Abend im intimen Rahmen. 28.06.2005
Die zarten Sprößlein des so heldenhaft wiedergewachsenen Grases werden zwar durch dicke und knackige Ärsche, durch Flip-Flops und Sneakers gnadenlos erdrückt oder zertreten – diese natürliche Nebenerscheinung als Folge gesellschaftlichen Beisammenseins sollte aber der einzige brutale Akt des Abends gewesen sein.
Als Oase des Friedens mutet der Innenhof der Wiener Arena in der sich langsam senkenden Abendsonne an, als die Amerikaner von The Faint die Bühne betreten. Obwohl die Jungs aus Omaha, Nebraska, sichtlich nicht mit Sonnenlicht oder ähnlichem in Berührung gebracht werden wollen ("This is the earliest show we ever played!"), spielen sie für diesen einen Abend perfekt Chamäleon und verwandeln die Arena mit heißen Synthie-Pop-Rhythmen und Electro-Rock-Ingredienzien in einen Dance-Palast. Sänger Todd Baechle, der einst gemeinsam in einer Band mit Bright-Eyes-Mastermind Conor Oberst spielte, tänzelt gekonnt androgyn zwischen Kunst und Wahnsinn hin und her. Der Mann hinter den Keyboards dagegen zieht eine Show jenseits von Gut und Böse ab, er verbiegt sich selbst fast noch beeindruckender als die durch jedweden Verzerrer geschickten Töne seines Instruments. Vor allem die Songs des aktuellen Albums "Wet From Birth" laden – unterstützt durch Cello und Geige – zum Shaken ein. Der herrlich wummernde Bass bringt selbst die noch lebenden "Wiesen"-Pflänzchen in ungewollt-ekstatische Bewegungen.
Da ist es fast ein Widerspruch in sich, daß sich erst bei der von der Kanadierin Leslie Feist versprühten Lagerfeuer-Romantik die meisten Menschen von ihren Sitzen erheben. Die so wunderbar ruhigen Nummern ihres neuen Albums "Let It Die" spielen mit Jazz genauso wie mit einer frischen Prise Groove. Am gelungensten kommen die Songs zur Geltung, wenn sie genauso sparsam instrumentiert werden wie auf der Platte: Da reicht die von ihr selbst angezupfte Gitarrensaite meistens aus. Feist hätte ihren Bandkollegen ruhig öfter Ruhepausen gönnen können. Denn ihre Solo-Gitarre sorgt gemeinsam mit ihrer sanften hohen Stimme, die sympathisch oft absturzgefährdet an einer Klippe steht, für die schönsten Momente – auch abseits der Hits wie "Mushaboom", "Gatekeeper" oder "One Evening".
Weltschmerz und fragile Melancholie halten freilich dann Einzug, wenn Conor Oberst gemeinsam mit seinen Mannen von Bright Eyes die Bühne betritt. Ältere Herren in Bob-Dylan- oder Neil-Young-T-Shirts spitzen die Ohren, während es besonders in den Augen der jüngeren weiblichen Festival-Besucher blitzt und funkelt. Das Stigma des klassischen, dennoch modernen und alles überstrahlenden Singer-/Songwriter haftet dem 24-Jährigen nicht zuletzt dank der Anfang 2005 zeitgleich erschienenen Alben "I'm Wide Awake It's Morning" und "Digital Ashes In A Digital Urn" an. Während ersteres Material im März in Wien live präsentiert wurde und mit Countryrock-Elementen glänzt, stellt zweiteres die poppige Antithese dar – und stößt damit in der Wiener Arena vor allem die eher konservativen Besucher vor den Kopf.
Einmal torkelt Conor Oberst wütend und schäumend über die Bühne, dann schwelgt er wieder in zerbrechlicher Melancholie am Keyboard, das andere Mal blickt er resignierend und todtraurig über den Mikrofonständer hinweg ins Publikum. Seine so unberechenbaren Stimmungsschwankungen sind gleich geblieben, die innere Zerrissenheit weiter der Brennpunkt seiner Songs. Sein Mantel freilich hat sich hörbar verändert: Die zehnköpfige Band samt zwei Schlagzeugern, drei Keyboards sowie den "geliehenen" Streichern von The Faint und anderen Musikern ihres "Saddle-Creek"-Labels sorgen für eine donnernde Aura des empathischen Mitfühlens. Conor Oberst läßt keine Zeit zum Nachdenken – wohl auch, weil er selbst, vollgepumpt mit Rocker-Zeugs, rein physisch nicht mehr in der Lage dazu wäre. Betrunken sind auch die Besucher, ergötzen sich an Oberst, der mit seinem sehnsüchtigen Blick und seiner kratzigen Stimme so an den jungen The-Cure-Mastermind Robert Smith erinnert.
Erst Minuten nach dem letzten Soundgewitter getrauen sich die Fans den Platz vor der Bühne zu räumen. Zurück bleibt die Erinnerung an zu viele Sinneseindrücke, zurück bleiben auch zu viele leere Becher am Boden. Und die grünen Pflänzchen haben – sollte der Säuberungstrupp endlich durch sein – endlich die Gewissheit auf ein paar ruhige Tage.
Bright Eyes, Feist, The Faint live
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Open-Air-Gelände der Arena Wien
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