Bloodsucking Zombies From Outer Space: "After The Storm"
Enthalten auf der CD "Toxic Terror Trax" (Schlitzer-Pepi Records/Broken Silence)
Nach dem Jubiläum wird wieder mal ein Wunsch erfüllt: Der Herausgeber möchte, daß der Kolumnist eine Band würdigt, die ihm ganz nah am Herzen liegt. Manfred Prescher befürchtet aber, daß das für die Pumpe des Herrn Hiess nicht ungefährlich ist. 24.03.2014
Manche Dinge ändern sich einfach nie: Du wachst morgens auf - und noch bevor sich das Hirn einschaltet, singst du, daß du nur noch die Welt retten mußt oder daß Geld guat brenna tuat. Widerstand ist absolut zwecklos, das Miststück setzt sich in dir fest. Begleitet dich ins Bad, zum Frühstück und in den Job. Manchmal freust du dich, weil dir zufällig ein alter Bekannter durch die Denkmurmel stromert, manchmal ist es dir schlicht peinlich. Wer will schon gern über sieben Brücken gehen oder von Jürgen Drews in den Tag geleitet werden?
In dieser Kolumne geht es um hinterhältige und fiese Lieder, die sich in dir festsetzen.
Die Untoten sind unter uns. In Nürnberg genauso wie in Wien oder sonstwo auf diesem unseren Höllenplaneten. Und das nicht erst, seitdem Zombies im Kino ihr Unwesen treiben - das tun sie seit Victor Halperins 1932er-Genre-Meilenstein "White Zombie" in einer bemerkenswerten Konstanz. Allein seit 2010 wurden knapp 40 Horrorstreifen zum Thema gedreht. Es ist also Bedarf da, weil - so steht zu vermuten - einfach so viele Zombies unter uns ihr merkwürdiges Dasein fristen, daß es sich lohnt, ihnen Identifikationsflächen zu bieten. Die Untoten fahren quasi "in Tokio U-Bahn und in Miami Wasserski" (Udo Lindenberg). Sie sind in Vienna mit der Tram unterwegs, gehen in Nürnberg shoppen und ansonsten ihrem klapprigen Tagwerk nach.
Das heißt natürlich auch, daß sie ihre angestorbene Musikalität in Lieder verwandeln, diese auf CDs pressen oder zum Herunterladen ins Internetz stellen. Dort, das wissen wir längst, wird nämlich nicht nach Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder Religion gefragt. Gut, nach Religion schon, speziell von NSA oder CIA, aber sonst sind die Wesensgrundarten weitgehend beliebig, man bzw. frau kann praktisch alles sein und mit Highspeed die Identitäten wechseln. Daher ist es den Besitzern des weltweiten Netzes logischerweise auch wurschtegal, ob einer lebendig vor sich hinverwest oder als nicht mehr Lebendiger auf ewig auf seinen Verwesungsgrad festgelegt ist. Hauptsache ist doch, er oder sie kaufen bei Amazon, iTunes, Zalando, Outfittersforzombies.com oder wie all die virtuellen Kaufhäuser heißen. Geld bleibt schließlich Geld, egal, ob es mit Visacard oder per Lastschrift ausgegeben wird. Und egal, wer es anfaßt und zum Fenster rauswirft, es wird dadurch weder besser noch schlechter. Es riecht halt nur ab und an etwas strenger, aber das wußten auch Vespasian und sein Sohn Titus. Und genau wie die beiden Römer es mit ihrem "Brunz-Obulus" machten, wird auch heute die Knete eingesackt. Beim Geldausgeben sind wir nun mal alle gleich.
Den Bloodsucking Zombies From Outer Space, die natürlich gar nicht aus dem Weltall, sondern wirklich mittenmang aus der österreichischen Hauptstadt stammen und dort ihr Unwesen treiben, gönne ich ihren hoffentlich längst durch sechs Alben und eine Best-of-CD zusammengehäuften Reichtum natürlich. Denn sie bringen Schwung in die morschen Gebeine. Man kann sich vorstellen, wie die Skelette zu den Psychobillyhardrockpunk-Melodien der Untoten-Kombo tanzen, quasi wie der Lump am Stecken. Denn der Schwung, mit dem die für unsere Sehgewohnheiten recht gruselig wirkende Gruppe zu Werke geht, ist echt mitreißend. Man soll allerdings, so sangen einst die Temptations zu recht, ein Buch nicht allein nach seinem Schutzumschlag beurteilen, denn oft versagt der verlagseigene Graphiker nun mal recht drastisch. Bei den Bloodsucking Zombies und ihrem aktuellen Werk "Toxic Terror Trax - Music For The Post Apocalypse" hat Tätowier-Guru Bernie Luther aber ganze Arbeit geleistet: er malte ein Cover, das auf schaurig-schöne Art überladen ist, fast wie die Artefakte aus dem bei Cross Cult erschienenen Wimmelbilderbuch "Wo ist der Zombie?"
Auf der CD saugen die Zombies übrigens nicht nur Blut, sie nähren sich herrlich aus der Rock´n´Roll-Suppe. "Camp Crystal Lake" und "Kids Of The Apocalypse" kommen beispielsweise mit schnellen Gitarrenriffs daher, wie sie seit den Trashmen, erst recht aber seit der Brian-Setzer-Generation bewährt sind. Mehrstimmiger Gesang wie bei den Hosen oder den Ramones, dazu Mariachi-Rock, wie ihn der Regiezombie Robert Rodriguez mit seiner Band Chingon zelebriert - ja, die Zombies wissen, was sich gehört und was sich gut anhört: Duane Eddy trifft Lemmy, Big Rude Jake feiert eine Party mit Sham 69, Eddie & The Hot Rods und den Dead Kennedys. Black Sabbath und Slayer sind auch noch da. Ach, das Leben als Untoter hat scheinbar schon was für sich. Wir wissen zwar seit dem Film "Warm Bodies", daß sich diese "Un-Menschen" recht schwer mit dem Lieben tun, vor allem, wenn sie sich in sehr lebendige Blondinen vergucken, aber immerhin haben die fleischlosen Gestalten ihre Musik.
Mein Lieblingsstück von der Zombies-CD ist übrigens "After The Storm", das ich mir dereinst gut als Hymne zu, besser aber nach meinem Begräbnis vorstellen könnte. Erst recht natürlich, wenn ich danach aufstehe, mir die Erdbatzen vom allerletzten Anzug schüttle und über den Westfriedhof schlurfe. Dann kämen die müden Glieder in Schwung, und ich würde einen echten Pogo tanzen, während ich mir anschaue, in was für Apokalypsen die Lebenden gerade wieder herumhampern. Aber jedem, wie ihm beliebt. Auf diesem Planeten ist praktisch für alles und jeden Platz. Auch für grundsympathische Rock´n´Roll-Zombies from Austria.
Nächste Woche werde ich dem Horror-Genre treu bleiben und mich einer Gespenstergeschichte widmen. Die Rede ist nicht von Casper, dem freundlichen Rap-Geist, sondern von "Magic", dem Vorboten des neuen Coldplay-Albums "Ghost Stories". Bis dahin wünsche ich den Lebenden und den Toten eine schöne Zeit. Egal, wo ihr euch rumtreibt, vergeßt nicht, daß ihr nicht allein seid. Ihr habt einen Kolumnisten an eurer Seite, der sich stets maximal für eure Geschmacks- und Herzensbildung einsetzt.
Nur im Moment ist er gerade unpäßlich, weil er sich von Luther die Köpfe von Frankensteins Braut, Lugosis Dracula und Chaneys Werwolf auf die Gesäßbacken nadeln läßt. Wer sich eh schon lange fragt, ob alles, was in dieser Kolumne so geschrieben steht, der Wahrheit entspricht, dem sei justament an dieser Stelle im Brustton der Überzeugung ein "natürlich!" entgegengerufen. Allerdings, die Einschränkung muß sein, ist vieles dann doch wieder irgendwie anders gewesen bzw. ganz und gar nicht so passiert. Aber was macht das schon? Immerhin erleben wir ja Tag nur selten die Wahrheit, oder? Wie oft wird etwas Wahres erfunden? Oder wie häufig kommt es vor, daß etwas Erfundenes der Wahrheit entspricht? Ja, das ganze Konstrukt, das wir Alltag nennen, ist schon sehr seltsam überfrachtet. Man sieht oft den Lebenden unter all den Zombies nicht, aber für heute ist uns das egal.
Redaktioneller Hinweis: Lesen Sie auch Manfred Preschers E-Book für die Ewigkeit: Verdammtes Miststück! Die ersten 200 Pop-Kolumnen aus dem EVOLVER
Bloodsucking Zombies From Outer Space: "After The Storm"
Enthalten auf der CD "Toxic Terror Trax" (Schlitzer-Pepi Records/Broken Silence)
Zombies im EVOLVER
Wenn sich Andreas Winterer mit Brad Pitt & Co. ins Getümmel stürzt, ist es höchste Zeit, Ihnen einen Überlick über unsere bisherigen Veröffentlichungen zum Thema "Living Dead" zu bieten. Beißen Sie sich rein!
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Kommentare_
von disney-prinzessinen zu blutsaugerzombies...sowas gibts auch nur bei euch.nicht ganz meins aber lustig
Hallo Marianne,
da kannst Du echt mal sehen... Ich fass das auch als Lob auf. :-)
Bleib uns gewogen!
Manfred