Hubble 3D
Kanada 2010
45 Min.
Regie & Drehbuch: Toni Myers
Besetzung: Scott D. Altman, Leonardo DiCaprio, Andrew J. Feustel u.a.
Kinostart: 1. Oktober in Wien und Graz (IMAX-Kinos)
In einem eindrucksvollen 3D-Streifen dokumentiert Toni Myers die Rettung des Hubble-Weltraumteleskops. Ihr IMAX-Film ist zwar nicht ganz so spektakulär wie "Star Wars" - dafür aber wahr. 14.09.2010
Am 11. Mai 2009 brach die Raumfähre Atlantis zu einer Rettungsmission auf. Ihr Ziel kreiste in 611 Kilometern Höhe um die Erde: das Hubble Space Telescope. Durch mehrere Defekte war das Auge zum Weltraum halb blind geworden, und der Ausgang von STS-125 sollte über das weitere Schicksal der elf Tonnen Metall, Glas und Elektronik entscheiden. Gelang die Mission, würde das Teleskop weitere zehn Jahre lang Aufnahmen aus Regionen des Universums liefern, in die auch die auch Captain Kirk niemals vorgedrungen ist; mißlang sie jedoch, dann würde eines der aufwendigsten Weltraumprojekte beim Eintritt in die Erdatmosphäre mehr oder weniger kontrolliert verglühen. Nach der Explosion der Columbia-Fähre im Jahr 2003, bei der sieben Astronauten ums Leben kamen, war STS-125 der erste Flug, der nicht zur Internationalen Raumstation ISS führte - und am Vorabend der Einstellung des amerikanischen Space-Shuttle-Programms möglicherweise auch der letzte.
Das ist die Ausgangssituation der Warner-NASA-Gemeinschaftsproduktion "Hubble 3D - Unser Auge im All" von Regisseurin Toni Myers. Die 3D-IMAX-Produktion kommt mit ziemlicher Verspätung nach Österreich; in Deutschland war sie bereits im Frühjahr in verschiedenen Kinos zu sehen. In 45 Minuten versucht der Film die letzte Hubble-Service-Mission zu beschreiben und möglichst plakativ Sinn und Zweck des mehr als 300 Millionen Dollar teuren Gemeinschaftsunternehmens der Weltraumagenturen NASA und ESA zu verdeutlichen. Der Handlungsbogen reicht von den Startvorbereitungen über die Reparatur des Hubble-Teleskops im Erdorbit bis zum Rückflug. Dazwischen versenkt sich die 3D-Kamera in die unglaubliche Bilderwelt, die Hubble eingefangen hat. In einer auf Originalaufnahmen basierenden 3D-Fahrt durchquert Myers beispielsweise den Orionnebel, wirft einen Blick auf entstehende Sonnen- und Planetensysteme und schaut sich dann die Lage unserer Sonne im Kosmos an: ein kleiner Stern in einem Seitenarm der Milchstraße, die wiederum zu einer Ansammlung von Galaxien gehört, die "lokale Gruppe" genannt werden.
Der Gegenschnitt zwischen Aufnahmen vom Rand des bekannten Universums und Bildern aus der Erdumlaufbahn spricht für sich. Auf die Länge des Filmes bezogen ist die "Handlung" so dicht, daß sich die Dokumentation nicht mit kritischen Details auseinandersetzt (wie etwa mit den im Zusammenhang mit der Columbia-Katastrophe ausschnittsweise gezeigten NASA-Pressekonferenzen). Der kompakte Mix funktioniert allerdings recht gut und macht "Hubble 3D" zu einem der eindrucksvollsten IMAX-Filme, die heuer zu sehen waren.
Was die Bildqualität angeht, könnte "Hubble 3D" locker als Blaupause für dreidimensionales Kino durchgehen. Regisseuse Myers mischt dabei mehrere 3D-Techniken (echte 3D-Aufnahmen, 3D-Computeranimationen und dreidimensional aufbereitete 2D-Sequenzen), wobei es nicht um möglichst spektakuläre Effekte - wie etwa die bei James Camerons "Titanic"-Tauchdokumentationen sehr beliebten Greifarme, die ins Publikum fuchteln - geht. Obwohl plakativ und durchaus auch spektakulär, verlieren die Ansichten interstellarer Nebel und weit entfernter Galaxien nie ihren realistischen Touch. Die Innenaufnahmen im engen Shuttle verdeutlichen, daß ein Raumflug eben doch ein bißchen mehr ist, als am Sonntagmorgen die Semmeln vom Bäcker zu holen.
Phantastische Bilder zeigen auch die Arbeiten am Teleskop selbst. In einer der Anfangseinstellungen ist das Hubble-Teleskop in einer Totalen zu sehen, während sich auf einem Reflektor die Erde spiegelt. Ähnliches hat man zwar alles schon im Gesamtwerk von Industrial Light und Magic viel besser gesehen - "Hubble 3D" ist aber dennoch spektakulärer, weil (fast) alles darin wahr ist. Ein kleines Detail am Rande: Bereits in den diversen "Star Trek"-Serien wurden Hubble-Aufnahmen verwendet. Viele der stellaren Nebel, vor denen die eine oder andere Enterprise im Fernsehen herumkreuzt, gibt es tatsächlich. Und zwar dort, wo nur Hubble je zuvor gewesen ist ...
Ein wenig verliert "Hubble 3D" durch die deutsche Synchronisation allerdings an dokumentarischem Wert. Der Streifen wird dadurch zwar kindgerechter, doch der Reiz der Originalstimmen aus dem Weltraum und Leonardo DiCaprios Moderation gehen in der lokalisierten Fassung verloren - darüberliegende Übersetzungsstimmen wären der Geschichte möglicherweise dienlicher gewesen. Da der Streifen nicht im Studio gedreht wurde, sondern 600 Kilometer über der Erdoberfläche, verzeiht man ihm auch, daß die meisten Aufnahmen von der Reparatur des Teleskops "nur" mit 3D-Handkameras gedreht wurden. Ein visuelles Erlebnis bleibt er trotz allem.
Die Dokumentation der Mission STS-125 könnte letztlich auch zum Ende des amerikanischen Space-Shuttle-Programms überleiten. Seit dem ersten Flug im Jahr 1975 wurden mehr als 130 Missionen durchgeführt. Zweimal kam es zur Katastrophe, sodaß heute nur noch drei Raumfähren verfügbar sind. Laut NASA-Flugplan soll die Discovery im November 2010 ein letztes Mal zur Raumstation ISS aufbrechen. Der final countdown wird dann voraussichtlich im Februar 2011 stattfinden, mit dem Start der nach dem Schiff von James Cook benannten Fähre Endeavour.
Hubble 3D
Kanada 2010
45 Min.
Regie & Drehbuch: Toni Myers
Besetzung: Scott D. Altman, Leonardo DiCaprio, Andrew J. Feustel u.a.
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