Depeche Mode - The Best Of Vol. 1
(Miststück der Woche, Pt. 54)
Mute/EMI (GB 2006)
Manfred Prescher ist auf Kur und heilt die Wunden, die die Zeit - oder was auch immer - ihm geschlagen haben. Zur Überbrückung hat er sieben Miststücke ausgewählt, die die Evolution der Kolumne seit 2005 repräsentieren. Dieses Mal: Depeche Mode mit "Martyr". 21.04.2014
Manche Dinge ändern sich einfach nie: Du wachst morgens auf - und noch bevor sich das Hirn einschaltet, singst du, daß du nur noch die Welt retten mußt oder daß Geld guat brenna tuat. Widerstand ist absolut zwecklos, das Miststück setzt sich in dir fest. Begleitet dich ins Bad, zum Frühstück und in den Job. Manchmal freust du dich, weil dir zufällig ein alter Bekannter durch die Denkmurmel stromert, manchmal ist es dir schlicht peinlich. Wer will schon gern über sieben Brücken gehen oder von Jürgen Drews in den Tag geleitet werden?
In dieser Kolumne geht es um hinterhältige und fiese Lieder, die sich in dir festsetzen.
Im Werk von Depeche Mode geht dieser Song ziemlich unter, was auch daran liegt, daß er zu keinem der bahnbrechenden Alben gehört. Vielmehr steht er für die späte Phase einer Band, deren Einfluß eigentlich schon seit Jahrzehnten verkannt wird. Man vergißt zum Beispiel, daß sie sowohl alte Gospelklassiker wie "John The Revelator" oder den Evergreen "Route 66" für die nachwachsenden Generationen erschlossen haben. Ihre eigenen Stücke sind indes viel emotionaler, als es das elektronische Klangbild glauben machen mag. Aber die Gefühle passen schon zum künstlichen Pluckern der Maschinen: "Martyr" jedenfalls beschreibt einen Zustand, der mehr mit Vergötterung als partnerschaftlicher Liebe zu tun hat. Denn wer ein "Märtyrer der Liebe" ist, der leidet und verzweifelt. Vielleicht geht er sogar in den Tod für dieses Gefühl. Mit Wärme und Geborgenheit hat all das folglich nichts zu tun. Der Song scheint direkt aus der Kältekammer zu kommen - also von dort, wo die Gefühle so tiefgefroren sind, daß man nicht mehr an sie herankommt.
Depeche Mode: "Martyr"
Nichts Neues auf dem Eisplaneten - im Gegenteil: Der Sound der aktuellen Depeche-Mode-Single ist so retro, daß er fast schon wieder innovativ ist. Sagt Manfred Prescher.
Redaktioneller Hinweis: Lesen Sie auch Manfred Preschers E-Book für die Ewigkeit: Verdammtes Miststück! Die ersten 200 Pop-Kolumnen aus dem EVOLVER
Depeche Mode - The Best Of Vol. 1
(Miststück der Woche, Pt. 54)
Mute/EMI (GB 2006)
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